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Einige Eindrücke vom Gespräch über Rassismuserfahrungen in Dresden

Am 25.3.2025 trafen sich 10 Personen im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus 2025, um über "Rassismus und andere Diskriminierungsformen: persönliche Erfahrungen und Umgang damit" zu sprechen.

Unter ihnen waren drei Frauen vom Forum Dialog Mitteldeutschland - Dresden (https://www.forumdialog.org/mitteldeutschland/, https://www.facebook.com/forumdialogMD, https://www.instagram.com/forumdialogmd/?hl=de). Diese mussten aus der Türkei fliehen und leben seit mehreren Jahren in Dresden. Sie berichteten von rassistischen Erfahrungen von sich und anderen Personen in Dresden, aber auch von ihren Aktivitäten und beantworteten entsprechende Fragen.
Die rassistischen Erfahrungen begannen damit, dass ihre akademischen Abschlüsse (Apotheke, Lehrerin, Medizin) nicht oder nur mit großen Schwierigkeiten und nach Erfüllung entsprechender umfangreicher Zusatzanforderungen anerkannt wurden. Deshalb konnten sie nicht entsprechend ihrer Berufe hier arbeiten. Eine Lehrerin hatte das zusätzliche Problem, dass die Arbeit in der Schule mit Kopftuch unerwünscht war, obwohl das Tragen von Kreuzen im Gegensatz zu Frankreich (Laizismus) kein Problem war. Deshalb ist sie in den IT-Bereich gewechselt.

Aber nicht nur im beruflichen Bereich gibt es Probleme. Auch bei der Suche nach einer Wohnung oder einem Garten gibt es größere Schwierigkeiten als für Menschen mit traditionell deutschem Namen, also rassistisch nicht Benachteiligten. Das Finden geeigneter Räume für größere Veranstaltungen ist nicht einfach. Dafür gaben andere Anwesende einige Hinweise. Hinzu kommen noch Beleidigungen, Anrempeleien, Angriffen auf ihr Büro in Dresden bis hin zu gewaltsamen persönlichen Übergriffen. Teilweise erfolgen diese Benachteiligungen wegen ihrer Herkunft, teilweise wegen ihrer Religion. Weil sie in der Türkei willkürliche Festnahmen erlebt haben, fühlen sie sich jedoch in Dresden sicherer. Aber wegen dieser Ausgrenzungserfahrungen stärken sich die Familien türkischer Herkunft gegenseitig. Gleichzeitig versuchen sie aber auch, offen auf andere Bevölkerungsgruppen zuzugehen, mit unterschiedlichem Erfolg. Teilweise kommen zu ihren Veranstaltungsangeboten nur wenige Personen aus der Nachbarschaft, teilweise gibt es aber durchaus auch gute Kontakte.
Von anderen Personen wurde darauf hingewiesen, dass auch andere Bevölkerungsgruppen ähnliche Benachteiligungserfahrungen gemacht haben, z.B. viele Ostdeutsche bei der Anerkennung von Abschlüssen.
Zu Beginn wurden unterschiedliche Erwartungen an das Gespräch geäußert, von interessanten Gesprächen über Bestätigung negativer Erfahrungen bezüglich der Menschheitsentwicklung bis hin zu großer Teilnahme mit Vorträgen. Aber am Ende haben sich alle sehr positiv über das Gespräch geäußert. In größerer Runde hätte es nicht einen so guten Austausch gegeben. Diejenigen, die selbst nicht rassistisch benachteiligt werden, bekamen Erfahrungen im persönlichen Austausch, nicht nur über Medien, mit. Und die rassistisch Benachteiligten waren froh, über ihre Erfahrungen in einem so interessierten Umfeld berichten zu können.